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ich habe eine ſehr lebhafte Einbildungskraft, eine ſehr gefühlvolle Seele, und ein außerordentliches Zartgefühl; es iſt leicht mir zu gefallen, ſogar mein Herz zu rühren, allein es iſt ſchwer mich zu feſſeln. Wenn ich anfange, an Jemanden Theil zu nehmen, ſehe ich alles im ſchön⸗ ſten Licht, ich mache eine Art von Gottheit aus dem Ge⸗ genſtand meiner Liebe; und ſobald Umſtände oder Vor⸗ fälle mich aus dieſer Täuſchung reißen, ſehe ich daß ich nichts als meine Schimäre liebte, und ich mache mich
los, oder beſſer geſagt, ich erwache aus meinem Traum,
den die Wirklichkeit verſcheucht; und man iſt ungerecht genug, dieſen Act meines Verſtandes Unbeſtändigkeit zu nennen! Ich wechsle nicht aus Laune, aus Überdruß; ich täuſche mich, und berichtige wieder meinen Irrthum.
Nun, es ſind jetzt zwei Jahre, daß ich unglücklicher Weiſe Prudinens Nebenbuhlerin ward: ſeit drei Mona⸗ ten war ich einzig mit einer neuen Liebſchaft beſchäftigt; da ſetzte ſich's Prudine in den Kopf, ſich für meinen Liebhaber zu intereſſiren, und dieß koſtete mir die Frei⸗ heit; ſie entführte mich, und brachte mich hieher; wir ſchritten durch dieſen Garten; ſie hielt mich an der Hand, ich weinte, ich war in Verzweiflung. Beruhigen Sie ſich, ſagte ſie, Agelie; meine Rache wird nicht grauſam


