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Marianne oder Um Liebe leiden. Th. 1
Entstehung
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Die Familie Dahn auf Dahnſtein pflegte bei ihren Beſuchen eine Stunde vor Mittag mit einem ſtattlichen Viergeſpann einzutreffen. Die Gräfin erwartete ſie um dieſe Zeit im Geſellſchaftszimmer mit Mariannen, die ihr aus dem letzten Theile der Memoiren von Georg Sand vorlas.

Die Gräfin, ſo gern ſie ſich durch ihren Rang in der Geſellſchaft hervorthat, verſchmähte doch nicht, in ihrem Putz und Anzuge mit allen Frauen zu wetteifern, die aus was immer für einem Stande ſich unter der Herrſchaft der Mode für gleichberechtigt halten. Heute ſaß ſie in einem ſehr weiten Kleide von brochirtem dun⸗ kelgrünem Seidenſtoffe mit halblangen Aermeln, einen ſchwarzen Taffet⸗Burnus mit Capuchon und Troddeln über die Lehne des Seſſels geworfen.

Marianne war in ihrem ſchwarzen Atlaß ohne Aus⸗ putz und ohne ungewöhnliche Unterkleidung. Die zu⸗ rückgelegten Manchetten an den Unterärmeln von weißer Gaze entſprachen der Stickerei am kleinen Halskrägelchen. Sie zeigte ſo ihren Geſchmack in Uebereinſtimmung mit ihrer untergeordneten Stellung, und es lag wenigſtens außer ihrer Abſicht, wenn gerade durch ſolche Einfachheit ihre höchſt edle Geſtalt reiner hervor trat und ihr etwas blaſſes Geſicht unter dem leichten dunkelrothen Schmuck ihres reichen, glänzenden Haares an Ausdruck gewann.