292 im Menſchengeiſte mit den mannbar werdenden Natur⸗ wiſſenſchaften vermählen, um uns neue Ueberzeugungen zu geben. Die Wahrheit des Göttlichen iſt nämlich unſichtbar und unerfaßlich. Sie offenbart ſich im Geiſte der Menſchheit und im Leben des Weltalls. Im Ge⸗ müthe des Menſchen ruht die Ahnung dieſer Unerfaß⸗ lichkeit des Göttlichen; indem aber der Verſtand es dennoch im Lehrſatze begreifen will, und die ganze Vahrheit erfaßt zu haben wähnt, ruft er den ewigen Hader und Streit des Mißverſtandes und der Recht⸗ haberei hervor. Dagegen offenbart ſich im Weltall, im Werden der Dinge, die Wahrheit in der Beſchrän⸗ kung des Wahrnehmbaren, mit dem wir uns au⸗ genblicklich begnügen und fortſtrebend erweitern ſollen. Darum haben wir die Forſchung nach dem Göttlichen, wie es im ewigen Verlauf der Dinge erſcheint, als die Gefährtin des Glaubens zu betrachten. Sie be friedigt, wie eine anmuthige Frau, das ungemeſſene Streben des Mannes dadurch, daß ſie es mäßigt. In dieſer Ueberzeugung lebt das echte Chriſtenthum. Wir weihen ihm heut, am Feſte der Vermählung eines in Liebe und Leiden bewährten Paares, dieſe Kapelle in
r Hoffnung, daß die unſichtbare Gemeinde dieſes Glau⸗ bens ſich mehr und mehr erkenne und ſichtbar werde.— Ein entfernter Freund hat auch bereits ein Geſang—
büchlein für dieſelbe erſcheinen laſſen, das in den Händen


