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„Gewiß, Albert, ich freue mich Dich ſo geſchmückt zu ſehen!“ ſagte ſie.
„Geh' doch!“ erwiderte er.„Das iſt Dein Ernſt nicht?“
„Doch, mein völliger Ernſt, Albert! Es ſind Spie⸗ lereien, ich weiß es: aber ein edler, hochgeſinnter Mann muß auch human nach oben ſein. Und ich halte es für human, von Hohen und Herrſchenden Das anzu⸗ nehmen, worin ſie ſich eben mächtig und gnädig fühlen. Wir erweitern ſo das Bibelwort— Gebt dem Kaiſer, indem wir hinzuſetzen: Und nehmt vom Kaiſer, was des Kaiſers iſt.“
„Ah! Das iſt ſchön gedacht, Marianne!“ rief Albert, —„recht echt, und einer Gräfin Wallberg angemeſſen! Ich dachte ſchon, Du wollteſt mich auf den erbaulichen Geſichtspunkt verweiſen, daß ein chriſtlicher Mann ſich nicht zu ſtolz fühlen dürfe, jenen Unzählbaren anzu⸗ gehören, die mit unſerm rothen Habichtorden ausge⸗ zeichnet werden.“
Während ſo die Unterhaltung in der Laube um ſo heiterer und freier im Ausdruck wurde, als ſie ſich im Inhalt vertiefte, entſtand mit einem Maß eine Bewe⸗ gung unter den Gäſten der Halle. Ein rothgekleideter
Vorreiter auf der Landſtraße kündigte den Wagen der
Kaiſerin an, der von der nordiſchen Majeſtät und dem
zu verlobenden Paare eingenommen, den nachfolgenden


