Druckschrift 
Marianne oder Um Liebe leiden. Th. 2
Entstehung
Einzelbild herunterladen

258

den er ſich ſelber machte, daß er— die„falſche Catalani“ verrathen habe. Nein! Er war vor Kurzem wohl mit ihr in den Regen gekommen: aber in ihre Traufe wollte er nun doch nicht gerathen. Alberts Benehmen konnte ihm räthlich machen das Bad mit Mariannen zu ver⸗ laſſen: Sidonie konnte es ihm am Ende gar befehlen. Denn von ihr oder wenigſtens durch ſie hatte er die Mittel erhalten, die er jetzt gegen ihr Intereſſe ver⸗ wendete: wie, wenn man ſie ihm abforderte? Er fürchtete dieß oder dergleichen um ſo mehr, als ihr Vater, der Miniſter, erwartet wurde, um im Auftrage des Königs der Verlobung der Prinzeſſin Mathilde beizuwohnen, oder als Miniſter des Hauſes Act davon zu nehmen.

Dennoch mußte etwas geſchehen: der junge Mann konnte es nicht dem Zufall überlaſſen, daß Marianne dem Grafen— vielleicht mit Sidonien am Arme— oder im Gefolge der Kaiſerin begegne; er durfte ſie keiner ſo erſchütternden Scene, keiner möglichen Kränkung oder Demüthigung ausſetzen.

Der junge Arzt hatte noch nie ſo lebhaft die Pein des Schwankens empfunden, welches entſteht, wenn in der einen Wageſchale ein Nichtsthun und in der andern

ein Nichtsunterlaſſen liegt.