für ihr gutes Fortkommen zu ſorgen; wozu es ihr an den beſten Verbindungen in der Reſidenz nicht fehlte. Bald aber regte ihr der Stolz Bedenken dagegen auf. Sie fürchtete gegen ein liſtiges und verſtocktes Mädchen ſich eine Blöße zu geben, und von einer Schulmeiſters⸗ tochter heimlich verlacht zu werden, daß ſie ihr die ſchöne Beute ihrer Klugheit mit gräflich ſentimentalen Redensarten abjagen wolle.
Dieſe innere Uneinigkeit verdarb ihr den ganzen Tag. Sie konnte ſich nicht entſchtießen den Sohn zu ſehen und noch weniger die Gouvernante zu em⸗ pfangen.
Am andern Morgen erſchien der Kammerdiener Horſt, ſich für die gute Pflege, die er durch das Wohlwollen von Ihro Gnaden gehabt habe, zu be⸗ danken, und ſeinen Dienſt wieder anzutreten. Die Gräfin fragte ihn nach dem Arzt und der Kranken⸗ pflegerin. Chriſtian rühmte die Tüchtigkeit beider.— „Aber es ſind ganz abſonderliche Menſchen, Ew. Gna⸗ den!“ ſetzte er hinzu.„Geſchickt, reſolut, gewandt, voll Blick und Sorgfalt, was ihr Geſchäft betrifft; der Arzt hat ſehr wirkſame Mittel, die Frau ſehr leichte Handgriffe; dabei aber ſind beide leichtfertig, verſteckt, ſchalkhaft und der Herr Metropolitan würde ſagen— — gottlos. Sie müſſen auch beide ſchon früher
manches ausgeführt, und zuſammen in einer Klemme


