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weit verbreiteten Irrthum zu berichtigen. Gewöhnlich wird ein ge⸗ wiſſer Grach aus Trier als der eigentliche Vertheidiger Siliſtrias ge⸗ nannt. Dieſer Grach iſt aber eine rein mythiſche Figur, oder viel⸗ mehr, ich ſelbſt bin dieſer Grach. Weil ich die Gewohnheit hatte, bei dem Losbrennen jeder Kanone zu meinem Vergnügen„Krach!“ zu rufen, ſo nannten mich die Soldaten den„General Krach“, ließen ſich aber durch die ſächſiſche Ausſprache einiger im türkiſchen Heere dienender Deutſchen, die aus Borna und Zwenkau gebürtig waren, verleiten,„Grach“ ſtatt„Krach“ zu ſprechen, und ſo entſtand die Fabel vom Grach, dem Vertheidiger von Siliſtria. Ich habe ge⸗ glaubt, dieſe Berichtigung der Wahrheit im Allgemeinen und der Weltgeſchichte im Beſondern ſchuldig zu ſein.
Es war nämlich kein Anderer als Omer Paſcha, welcher durch die von ihm bezahlten Jouraliſten und Zeitungscorreſpondenten die Fabel vom„Grach“ verbreiten ließ, um mich um meinen wohlver⸗ dienten Ruhmesantheil zu bringen und die Aufmerkſamkeit der Welt von meiner Perſon abzulenken. Je mehr mein Anſehen in der Ar⸗ mee ſtieg, um ſo mehr nahmen auch ſein Neid und ſeine Eiferſucht zu. Er ließ in den Kaffeehäuſern von Varna und Konſtantinopel allerlei lügenhafte Gerüchte über mich ausſprengen, die mich an mei⸗ ner Ehre angriffen und ſchließlich nöthigten, ihn zu fordern, und zwar ſchlug ich vor, daß wir nicht Kugeln, aber zwölf der ſchärfſten Blicke mit einander wechſeln wollten. Omer Paſcha ließ mir hierauf erklären: auf dieſe Waffe verſtehe er ſich nicht; aber auf krumme Säbel, und möchten ſie ſo krumm ſein, wie ſie wollten, ſtehe er mir zu Dienſten. Ich ließ ihm zurückſagen: gerade Blicke ſcheine er frei⸗ lich nicht vertragen zu können, aber auf alles Krumme verſtehe er ſich um ſo beſſer. Omer Paſcha denuncirte mich nun beim Sultan.
Nächſter Tage erhielt ich ein vom Sultan eigenhändig aufgeſetztes Schreiben, worin er ſein allerhöchſtes Bedauern darüber ausſprach, daß es zwiſchen mir und Omer Paſcha zu einem ſolchen Zerwürfniß gekommen ſei. Er ſähe ſich dadurch in die größte Verlegenheit ge⸗ ſetzt. Er fühle tief, wie ſehr er und das türkiſche Vaterland mir ver⸗ ſchuldet ſeien. Bereits habe er, um mir eine kleine Belohnung für meine Dienſte zu Theil werden zu laſſen, das Köſtlichſte, was er be⸗


