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werde im Traume mehr denken, als Sie ſich im Denken jemals ge⸗ träumt haben. Gute Nacht für einen guten Tag!
Je länger ich ſprach, deſto länger wurden auch die Geſichter der Taufgäſte, ſie wurden zuletzt ſo lang, daß ſie von der Diele bis zur Stubendecke reichten und ſich recht eigentlich nach der Decke ſtreckten. Sie hatten dabei ganz verzerrte unheimliche Züge, die Augen traten ihnen aus dem Kopfe und ſtarrten mich geſpenſterhaft an, die Haare erhoben ſich borſtenähnlich auf ihren Scheiteln, ihre Ohren ſtanden fußlang vom Kopfe ab, ihre Lippen verlängerten ſich zu Tiegerrachen, Hundeſchnauzen und Elephantenrüſſeln und ihre Naſen wurden immer länger, immer ſpitziger, kamen mir näher und näher, ſtießen zuletzt von allen Seiten auf meine Bruſt und ſchienen ſich in dieſe einbohren zu wollen. Dieſer fürchterliche Moment trat jedoch erſt ein, nachdem ich mein letztes Wort geſprochen hatte. Da faßte es mich wie ein Fieber und mir vergingen die Sinne.
Ich weiß nicht, ob ſich dies Alles in Wirklichkeit ſo verhielt, oder ob es nur eine durch den Genuß des Schnipphauſener Spalierweins hervorgebrachte Sinnentäuſchung war. Ich weiß auch nicht, wie ich in mein Bett gekommen bin; ich weiß nur, daß ich am andern Morgen mit ſtarkem Kopfweh und andern Symptomen ſchweren Uebelbefindens erwachte und ſogleich begriff, in welchem Zuſtande ich mich befand.
Vater, rief ich ſofort, einen Häring! ein Glas Abſynth! ich habe den Katzenjammer! Inſtinctartig fand ich das richtige Wort für meinen Zuſtand, denn für dieſen gibt es nur das eine Wort; im ganzen Be⸗ reich der ſo umfangreichen deutſchen Sprache findet ſich kein anderes, welches ihn vollkommen ausdrückte und erſchöpfte. Dennoch iſt der Menſch zu bedauern, der ihn nie oder nicht zu wiederholten Malen überſtanden hat; denn nur der, welcher gelernt hat, aus dem Kampfe mit dieſem fürchterlichen Feind aller Weintrinker als Sieger hervor⸗ zugehen, wird auch für alle übrigen Kämpfe des Lebens geſtählt und gegen alle Leiden und Gefahren hieb- und nagelfeſt ſein. Darum, o Menſch, der du am Katzenjammer leideſt, verzage nicht und bedenke, daß der Himmel ſelbſt dir dieſe Prüfung auferlegt hat, um dich ſitt⸗ lich zu reinigen und zu kräftigen! Bedenke, daß auch der ehrwürdige Lot, von dem das Volk der Lotterbuben in directer Linie abſtammt,


