Jn einer ſchoͤnen doch einſamen Gegend fern der Stadt, welche das Epheſus unſerer Wittwen iſt— lebte Herr von Elban auf ſeinen Guͤtern. Er war ein Mann nicht eben vorzuͤglichen Geiſtes, aber doch von gutem Willen. Er wollte redlich der Vorſtand ſeines Hauſes und der Vater ſeiner Unterthanen ſeyn, aber es fehlte ihm an Thatkraft dazu. Er liebte die Jagd und die Ruhe— wie unvereinbar dieſe Nei— gungen auch ſcheinen moͤgen. Die Welt, außerhalb der gruͤnen Feldmarken ſeiner Doͤrfer, Halde und Rohrlach, war ihm vooͤllig gleichguͤltig. Begnuͤgt mit der Scholle ſeines Eigenthums, dem Erbe ſeiner Ah— nen— beſchraͤnkt in ſeinen Wuͤnſchen auf die Enge dieſer angeſtammten Verhaͤltniſſe— machte er ſchwer—
lich Anſpruch als Cosmopolit zu glaͤnzen, und wenn
dieſe einfache Geſchichte der Welt, die man mit einer Hand bedecken kann— ſeinem unberuͤhmten Namen ein Epithaphium ſetzt, ſo duͤrfte es nur in Gellert's Worten geſchehen:»Er lebte, nahm ein Weib und ſtarb!—« Sein Phlegma, womit er das Spiel des
8 Lebens heiter betrachtete, ohne den Schatz der Weis⸗
Hanke Wittwen 2 1 Theil. 1


