366 Sechszigſtes Kapitel.
„Es iſt mir faſt unmöglich!“ ſagte Charles,„ich bin zu aufgeregt, ich habe für nichts Anderes Sinn, nur für meine ſchnelle Abreiſe.“*
„Die Vorbereitungen hiezu werden ſo eben gemacht,“ ant⸗ wortete Alfons,„kommen Sie nur einen Augenblick; natürlich erwähnen wir drinnen dieſer Sache gar nicht. Sie ſind fatigirt, ich laſſe Sie— ſo ſagen wir— nach Ihrer Wohnung fahren. Sobald eingeſpannt iſt, wird es mir gemeldet. Mein Kutſcher führt Sie bis zur nächſten Station. Adieu, Charles— adieu, mein Freund! Möge Sie der Himmel glücklich führen; glauben Sie mir— ich kann über dieſe Angelegenheit nicht viel reden— aber glauben Sie dem Wort eines Mannes, der Ihretwegen gelitten hat, glauben Sie meiner Verſicherung: wenn Sie glück⸗ lich werden, ſo werden Sie unendlich glücklich.“
Charles drückte dem Grafen ſtillſchweigend die Hand und Beide begaben ſich in das Nebenzimmer.
Hier wurde viel geplaudert und gelacht, nur der Held des heutigen Abends, der Componiſt jener vortrefflichen Oper war und blieb einſylbig und in ſich gekehrt. Er iſt ermüdet, dachten die Anderen und fanden es deßhalb auch begreiflich, daß ihm eine
halbe Stunde ſpäter Graf Alfons einen Wagen anbot, um nach
Hauſe zu fahren, und darauf verließ er ſeine Freunde mit dem Wunſche des baldigen Wiederſehens.
Indem wir hiemit unſere namenloſen Geſchichten ſchließen, müſſen wir den geneigten Leſer verſichern, daß der junge Muſiker, der in derſelben Nacht mit flüchtigen Pferden nach Italien reiste, ſo bald nicht wiederkehrte, daß aber dagegen nicht ſehr lange nachher Briefe von ihm in der Heimath eintrafen, worin er ſeinen Bekannten ſagte, daß er jenſeits der Alpen vollkommen glücklich geworden ſei, und daß er ſtill und zufrieden in Florenz lebe.


