Teil eines Werkes 
3. Bd. (1851)
Entstehung
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Vierzigſtes Kapitel.

ein Ausruf des Erſtaunens, aber über die Züge des Diplomaten flog ein leichtes ſpöttiſches Lächeln.

„Der alte Mann,“ fuhr der Graf fort,„war in den Kriegsjahren mit meinem Vater, machte in deſſen Regiment alle die damaligen Schlachten mit, gieng mit der Armee nach Rußland und erhielt an der Bereſina einen tüchtigen Säbelhieb und ſchleppte ſich trotzdem, ſehr langſam freilich, aber glücklich nach Deutſchland zurück. Ich exinnere mich noch recht gut, wie er eines Abends ſpät hier auf dem Schloſſe ankam, mit zerriſſe⸗ nen Schuhen, in einem Weiberrock, den Oberkörper in einen alten ſeidenen Damenmantel gewickelt, deren Kapuze er über den Kopf gezogen hatte, und dieſer Kopf ſelbſt— er war ſchreck⸗ lich anzuſehen. Die zuſammengetrocknete Haut lag auf den Knochen, die eingeſunkenen Augen brannten in fieberhafter Gluth und ſein Bart hieng faſt bis zum Gürteleherab. Ich der Aelteſte ſelbſt konnte dieſen Anblick nicht vergeſſen und für die jüngeren Kinder war er ein wahrer Popanz geworden, denn man brauchte nur zu ſagen: Amadäus kommt mit ſeinem Bart, ſo waren ſte mäuschenſtill. Von da an blieb er nach ſeinem Wunſché hier auf dem Schloſſe, das damals noch mit dichtem Wald umgeben war, oft Jahrelang mit ein paar Jagdgehülfen allein, was wohl im Verein mit ſeinem vergangenen Soldatenleben ſowie mit dem Säbelhieb daran Schuld iſt, daß er ſich ſeine Einſamkeit mit den ſeltſamſten Geſtalten und Bildern bevölkert. Er ſteht nämlich, wie geſagt Geiſter, das heißt Perſonen, die, wie er behauptet, vor langer Zeit gelebt. Doch kommen und gehen dieſelben nicht, wie man ſich gewöhnlich Geſpenſter vor⸗ ſtellt, mit unheimlichen verzerrten Geſichtern, in langen ſchlep⸗ penden Gewändern, ſondern geſund und friſch, luſtig oder traurig, wie ſie im Leben geweſen, treiben ihr Geſchäft, ſprechen zuſam⸗ men, kurz, es iſt ihm, als ſei er auf einmal in eine vergangene Zeit verſetzt und wandle er ſelbſt als Geſpenſt darin herum.“

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