Teil eines Werkes 
3. Bd. (1851)
Entstehung
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28 Vierzigſtes Kapitel.

Güter in der Normandie— alſo die Dame, die ich um jenes Verhältniß befragte, ſagte mir von einer heimlichen Ehe und ſetzte hinzu: il Comte läugnet das auch nicht, aber er gibt es auch gerade nicht zu.“

„Dieſe Auskunft iſt mir ſehr lieb,“ ſagte der Graf nach einer Pauſe,„denn ich war überzeugt, daß das Mädchen eine glänzende Zukunft habe. Man hat nie erfahren, wer ihr Vater war, aber in ihren Adern fließt ein gutes Blut, deß' bin ich gewiß. Nie ſah ich kleinere Füße, nie eine ariſtokratiſchere Hand. Der alte Benetti lehrte ſte neben dem Tanzen franzöſiſch und ita⸗ lieniſch, und nach ein paar Jahren ſprach ſte Beides mit einer Fertigkeit und dazu mit einem Accent, der ganz erſtaunlich war. — Und hörten ſie ſpäter noch von ihr?“

„Leider nicht viel,“ entgegnete der Diplomat,„ſte gieng nach Genua, man war geſpannt auf ihr dortiges Auftreten. Doch hieß es plötzlich, ſie habe bei der Meerfahrt ein Unglück gehabt, ſich einen Fuß verletzt oder ſo etwas. Es war das jene Fahrt, von der Sie gewiß gehört haben; ich glaube, das Dampf⸗ boot Ferdinando Primo, auf dem in der Nacht während der Fahrt von Livorno nach Genua plötzlich Feuer ausbrach. Man ſteuerte nach der Küſte zu und der Capitän, welcher das große Boot herabließ, ſchlug vor, vor allen Dingen die Damen zu retten. Es war obendrein eine ziemlich hohe See und die un⸗ glücklichen Weiber in den troſtloſeſten Coſtümen ließen ſich auch von Bord bringen, bis auf die Marina, welche ihren Grafen mit dem Arm umſchlang und beſtimmt erklärte, ſie verlaſſe ihren Gemahl nicht. Die andern Männer mögen darüber ſaure Ge⸗ ſichter gemacht haben, enfin die Damen im Boot wurden über dieß Wort ſtutzig, und eine nach der andern kamen, ſo ſchnell ſte konnten, an Bord und zu ihrer Pflicht zurück. Das Feuer wurde glücklich gelöſcht durch naſſe Matratzen, mit welchen man es erſtickte.— Seit jenem Vorfall aber erfuhr ich nichts mehr