Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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252 Achtunddreißigſtes Kapitel. e

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liſcher Freude:nein, Ihr ſollt den Steinmann niit lebendig haben-

Unterdeſſen hatte ſich der Oberkutſcher, Herr Winkler, im beſten Civilſtaat: ſchwarzem Frack und dergleichen, in dem er ſich aber ganz ſonderbar vorkam, mit einem mächtigen Blumen⸗ ſtrauß im Knopfloch, bei ſeiner Braut eingefunden, hatte außer⸗ ordentlich herablaſſend die Gratulationen verſchiedener Collegen angenommen, die ſich zu dieſem Zwecke dort befanden, hatte darauf ſämmtliche Gäſte ſehr zum Eſſen und Trinken genöthigt, und lief nebenbei alle Augenblicke ans Fenſter, um zu lauſchen, ob denn von der Stadtkirche noch nicht geläutet werde. Ihm lag dieſes Geläute ſehr am Herzen, weniger, weil es die feier⸗ liche Fahrt zur Kirche verherrlichte, als vielmehr weil er dabei bedachte, mit welch' unſinniger Wuth der Steinmann, der alte Hallunke, an dem Seil zerren würde.Thut nichts! ſagte er nach jedesmaligem vergeblichem Hinaushorchen, ner mag ſich ſo lange ſperren, wie er will, endlich muß der alte Steinmann doch an die Glocke, das iſt ausbedungen und bezahlt. Aber der Mund der Glocke blieb ſtumm, ſo ſehnſüchtig auch ſümmt⸗ liche Hochzeitgäſte dieſes Zeichen zum Aufbruch erwarteten. Dort lag der alte graue Thurm vor ihnen, einige Dohlen flogen ſchreiend um ſeine Spitze, und der Zeiger der Uhr gieng unauf⸗ haltſam vorwärts:

Jetzt können wir aber nicht mehr warten! ſagte Frau Winklere,es iſt drei Viertel auf Zehn vorbei, und Punkt zehn Uhr kommt der Pfarrer. Laßt uns in Gottes Namen aufbrechen!

Nun meinetwegen! ſagte Joſeph,laßt uns fahren!

Die alten Glocken werden wahrſcheinlich unter Wegs anfangen. Alter Dubel Dubelli wollte ich ſagen, nehm' Er die alte Braut am Arm, und dann vorwärts!

So geſchah es.