Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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Achtunddreißigſtes Kapitel.

Eine Hochzeit ohne Geläute.

Die Meßnerei der Stadtkirche war ein ſtilles, harmloſes Gebäude, ein kleines Häuschen, an die Kirche gebaut, mit vier Zimmern, wovon eines eine Art Vorſakriſtei war und von den Geiſtlichen bei Ausübung ihres Amtes meiſtens zum An⸗ und Ausziehen benützt wurde.

Es mochte Morgens gegen neun Uhr ſein, als der Meßner benannter Kirche, der ehemalige Stadtſoldat Herr Steinmann, die Hände auf den Rücken gelegt, eifrigſt auf und ab ſpazierte. Sein Aeußeres hatte ſich ſehr verändert; er war ganz in Schwarz gekleidet, trug eine weiße Halsbinde, ein Anzug, welcher gegen ſeine frühere bunte Kleidung ſehr abſtach, und auch auf dem Ge⸗ ſichte ſchien ſich offenbar der Ernſt eines anderen Lebens zu ſpie⸗ geln. Verſchwunden war die luſtige, fröhliche Bosheit, die auf ſeinen Zügen thronte, ſein einziges Auge ſogar hatte das bekannte unheimliche Feuer verloren, in welchem es meiſtens zu glänzen pflegte; ja, der ganze Mann ſah vollkommen ermüdet, ja abge⸗ ſpannt aus. Häufig wiſchte er mit der Hand die Stirn und beſah