226 Sechsunddreißigſtes Kapitel.
4 zimmers und lächelte ſanft, als er hörte, daß dort das Bügel⸗ eiſen lebhaft niedergeſetzt wurde, und als die Stimme der Stadt⸗ 4 räthin nun erſcholl, welche ſagte:„ſo iſt es denn wahr, was
ſich die halbe Skadt mit Verwunderung erzählt, du wolleſt dem Steinmann, dem einäugigen Polizeidiener, zu der Meßnerei in der Stadtkirche verhelfen, allen Gegenvorſtellungen zum Trotz und zum Skandal der Bürgerſchaft, die jenen Menſchen mit vollem Recht verabſcheut?“
„Liebe Frau,“ entgegnete der Stadtrath ſehr ſanft, ndie Welt pflegt nur nach dem Aeußeren zu urtheilen, und dieſes iſt allerdings an dem guten Steinmann nicht das Empfehlungs⸗ wertheſte. Ich aber habe den Kern, das Innere deſſelben er⸗ gründet, und bin mir bewußt, keinen Fehlgriff zu thun.“
Die Stadträthin wollte etwas heftig erwidern, doch ſagte Vater Schwämmle, nachdem er einen Blick durch's Fenſter ge⸗ worfen:„ich bitte dich, Frau, mäßige deine Stimme, ich ſehe den wackeren Steinmann unſerm Hauſe ſich nähern und möchte 3* nicht gern, daß er es vernähme, wie zwei Eheleute ſeien in einem Streit begriffen, und gar in einem Streite, der ſeine Perſon angienge.“—
Die Stadträthin eilte in ihr Zimmer zurück, die Thüre flog ziemlich heftig in's Schloß, und als es draußen ſchellte 3 und der Steinmann eintrat, rumorte das Bügeleiſen, oder viel⸗ 1 ½ mehr zwei Bügeleiſen, indem Stadtraths Ricke das andere führte, auf eine wirklich erſchreckliche Art.
Vater Schwämmle, der im Grunde ſeines Herzens ein gemüthlicher Menſch war und alles Ernſtes überzeugt, der Kern in der häßlichen Steinmann'ſchen Schale ſei rein und echt, reichte 1 dem Stadtſoldaten gerührt die Hand, vergrub ſein Kinn tief in die Halsbinde und war ſichtbarlich ergriffen, als er nun dem Steinmann das große Glück, welches ihn erwarte, mittheilte.


