Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

224 Sechsunddreißigſtes Kapitel.

die Verlobung eines bekannten Brautpaars eine ganze Stadt in Allarm bringen kann— und gieng vergnügt und händereibend

in ſeinem Zimmer auf und ab. Doch glaube man nicht, daß

die große Seele dieſes würdigen Stadtvaters durch die Ausſicht auf eine große Hochzeit in Jubel verſetzt worden ſei,— weit gefehlt! Vielmehr waren heute Morgen andere ſehr erfreuliche Nachrichten eingelaufen, welche in nichts Geringerem beſtanden, als daß der Stadtrath beſchloſſen und die Regierung genehmigt habe, den Bau einer neuen Kirche unverzüglich in Angriff zu nehmen. Des Löſchcorps wurde vorderhand nicht weiter gedacht, denn es hatte den ganzen Winter nur ſechsmal gebrannt, und es waren durch mangelhafte Rettungsanſtalten nur vier brave Familienväter verunglückt, als ſie ihren Nebenmenſchen zur Hülfe eilen wollten. Die frommen Seelen der Stadt hatten bedeutende Beiträge, eine verſtorbene Wittib hatte mitten in der Stadt einen ſehr ſchönen Bauplatz für die projektirte Kirche dem Bau⸗ comite teſtamentariſch vermacht, mit der ganz beſcheidenen, an⸗ ſpruchsloſen Bedingung, daß ihr Name am Altarſtein eingravirt würde. Da dieß natürlicher Weiſe bewilligt wurde, ſo hatte man den Bauplatz bereits in Beſchlag genommen, und eine Menge gottgefälliger alter Jungfern begannen, als ſie vom Ver⸗ mächtniß gehört, eine große, wunderſchöne Decke zu ſticken, welche zum Zweck hatte, den Altarſtein und jenen Namen auf ewige Zeiten vollſtändig zu verhüllen.

Stadtrath Schwämmle eilte in ſeinem Zimmer auf und ab, hielt die Hände auf den Rücken und hatte ein Papier in denſelben, von welchem er aber dieſes Mal keine Rede memorirte. Dieſes Papier war nichts weniger als eine feierliche Dankſagung des geſammten Magiſtrats für Schwämmle's vielfache und er⸗ folgreiche Bemühungen pro Gasbeleuchtung und pro neue Kirche. Es war eine papierne Bürgerkrone, welche ihm überreicht ward, zugleich mit dem ſehr ambitionirten Poſten eines Vorſtandes des