Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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Im Hoftheater. 213

Probe begann und der Chor mit Blumenkörben auf die Bühne

tanzte, neigten ſich Alle freundlich vor dem Kinde und grüßten ſte mit Hand und Mund, und die, welche gerade in ihre Nähe kamen, drückten ihr die kleinen Händchen.

Nach dem erſten Akte verſuchte es der Balletmeiſter unter Beihülfe des Grafen, nachdem ſtie vorher den jungen Charles bearbeitet, Demoiſelle Eliſe zu bereden, ſte möge die Rolle in dem Ballet übernehmen. Aber umſonſt! Sie erklärte feſt und beſtimmt, eine Partie, die ihr einmal entzogen, nicht anzuneh⸗ men. Dann begann der zweite Akt, und da die erſte Tänzerin in demſelben faſt nichts zu thun hatte, ſo gieng ſte zu ihrem Fauteuil, auf welchem die kleine Marie ſaß. Sorgfältig hob ſie das Kind empor, nahm es auf thren Schoos und drückte ſein Köpfchen an ihre Bruſt. Da ſaß ſie nun auf der halbdunklen Bühne, die gefeierte Tänzerin, reich, jung und ſchön, ein mun⸗ teres, lebensluſtiges Mädchen, und vor ihren Augen entwirrten ſich die Touren, in welchen auch ſie morgen erſcheinen würde, mit ungeheurem Beifall überſchüttet; und während ſie das dachte

Jund das Kind, das die Tänzerin gern hatte, ſich feſt an ſte ſchmiegte, wurde ihr Auge feucht und ſchwere Thränen tropften dann unter den langen, ſchwarzen Wimpern hervor. Sie um⸗ ſchlang das kleine Geſchöpf mit ihren Armen, und der Schmerz, der in ihrem Herzen zuckte, war keine Folge der ihr entriſſenen Partie, auch haßte ſte in dieſem Augenblicke diejenigen nicht, welche ihr die Rolle genommen, weil ſie ſte genommen, ſondern ſie haßte ſte, weil Beide im öffentlichen Leben einen ſo verſchie⸗ denen Standpunkt einnahmen. Pauline war arm, das heißt, ſie hatte nur ihre Gage, und die junge Männerwelt ſagte: ſte iſt ein kaltes Geſchöpf. Sie, die erſte Tänzerin, dagegen war ſehr reich, und die eleganteſten jungen Männer geizten darnach, ihr die Hand küſſen zu dürfen. An Alles das dachte ſie und drückte das unſchuldige Mädchen auf ihrem Schooße feſter in die Arme.