38 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
„was einmal gedruckt iſt, iſt gedruckt,“ ſagte er,„und der erſte Eindruck iſt nicht zu verwiſchen, ſolche Erwiderungen nützen den Angegriffenen gar nichts. Etwas Anderes dagegen iſt viel ſchlim⸗ mer, wenn z. B. eine auswärtige Redaktion, denen man hie und da Kunſtkritiken zuſendet, unter irgend einem Artikel bos⸗ hafte Bemerkungen macht, hie und da ein Fragzeichen einſchiebt, ein Ausrufungszeichen, einen Gedankenſtrich, oder ein ei! in Parentheſe, das iſt ſehr unangenehm und kann unter Umſtänden einen ganzen Aufſatz vernichten. So geſchah es mir vor einiger Zeit, daß ich in einer Theaterkronik unſer Fräulein C., die heu⸗ tige Alice, außerordentlich lobte und ihre Leiſtungen bedeutend hervorhob, ich ſtellte ſte als Stern erſter Größe hin, als eine Erſcheinung, auf die nothwendiger Weiſe ganz Deutſch⸗ land ſein Auge richten müſſe. Was that die Redaktion?—— Sie machte unter meinen Artikel die höchſt unpaſſende Bemer⸗ kung: tant de bruit pour une omelette! Das war doch höchſt abgeſchmackt von dieſer Redaktion, und ich habe es ihr auch fühlen laſſen, indem ich ihr keine Artikel mehr zuſende. Hatte ſie nicht durch dieſe hämiſchen Worte mein ganzes Lob vernichtet? und dazu die unzarte Vergleichung einer Sängerin mit einem Eierkuchen, pfui Teufel!“.
Der Herr Dubel hielt es im Verlauf des Geſprächs für paſſend, dem Herrn Doktor Stechmaier einige paſſende Worte über ſeine Leiſtung als Fortinbras zu ſagen; er that es in höchſt feiner Weiſe, indem er ſagte, daß ein Mann, wie der Doktor, ein ſolch' großes publiciſches Talent, ſehr Unrecht thue, wenn er die mit ſo viel Glück betretene, ihm von Natur angewieſene, literariſche Laufbahn verlaſſe, um ſich einer andern Kunſt in die
Arme zu werfen, von der er doch nicht gewiß ſei, ob ſie ihm—
holdſelig zulächeln würde. „Das habe ich auch gedacht,“ ſagte der Doktor,„und ich muß Ihnen geſtehen, daß ich zu dem Entſchluß gekommen


