322 Einundzwanzigſtes Kapitel.
Gange hatte die Geiſtesgegenwart, den Schlüſſel der Thüre augenblicklich umzudrehen; im gleichen Moment wurde von innen der Riegel vorgeſchoben und kaum hatte der draußen die Thüre zur Gallerie erreicht, als er hörte, wie der alte Mann im Zimmer das Fenſter nach der Straße zu aufriß und nach den Nachtwächtern und Patrouillen ſchrie und: Mörder! Räuber! und Feuer!
Der Gauner zog die Thüre feſt hinter ſich zu und blieb er⸗ wartend ſtehen, während er fein und ſcharf nach dem Hinterge⸗ bäude hinüberpfiff. Augenblicklich gab der Strick drüben nach und fiel in den Hof, der junge Menſch ſchwang ſich über das⸗ Geländer der Gallerie und rutſchte an dem anderen Ende des Strickes, den er mit den Händen feſthielt, ebenfalls hinab; dann zog er ihn aus dem Haken heraus, warf ihn über die Schulter, verſchwand durch den Holzſchuppen und zog die Thüre deſſelben, welche in die engen Gäßchen führte, hinter ſich zu. 1
In dem eben noch ſo ſtillen Hauſe wurde jetzt auf das Ge⸗ ſchrei des alten Mannes ein furchtbarer Lärmen wach; die Neben⸗ wohnenden, als ſie Mörder und Räuber rufen hörten, ſchrieen unter ihren Decken ebenfalls hervor, und Jeder glaubte ſchon, in irgend einem Fenſtervorhang oder einem Handtuch einen Kerl zu erblicken, der ihm nach Geld und Leben trachte; Kinder ſchrieen, Weiber kreiſchten, und die alte Kiliane, die geträumt hatte, es ſchleiche Jemand in ihr Zimmer, wurde durch den Spektakel erweckt, rieb ſich die Augen, machte Licht und ſah beim Scheine deſſelben zu ihrem größten Entſetzen, daß die zwei⸗ hundert Gulden von ihrem Stuhle verſchwunden waren. Man kann ſich denken, wie ſchnell ſie ihr Kleid überwarf und mit Zetergeſchrei hinabeilte, um drunten den erwachten Hausgenoſſen zu perkünden, daß ſie beſtohlen worden ſei.
Der Lärm pflanzte ſich von dem Haus auf die Straße fort,


