320 Einundzwanzigſtes Kapitel.
unverſchloſſen— er trat hinein und ſah bei dem Sternenlicht, wie im zweiten Zimmer die alte Perſon ruhig auf ihrer Matratze am Boden ausgeſtreckt lag und ſchlief, und ſchauderte einen Augenblick, denn die Schlafende auf der Matratze mit der rothen Einfaſſung ſah in dem dämmerigen Licht gerade ſo aus, als läge die Perſon in ihrem Blute ſchwimmend auf der Erde. Dem Gauner pochte das Herz heftig in der Bruſt, und ſeine gierig umherſchweifenden Augen entdeckten zu ſeiner größten Freude das rothearirte Sacktuch mit dem Gelde vor dem Lager der Ki⸗ liane auf einem Stuhle liegen, daneben ein Gebetbuch und eine ausgelöſchte Kerze.
Er drückte ſein Meſſer feſt in die Hand zurück und ſchlich dem Lager näher. Ihm klapperten faſt die Zähne im Munde, als er bei ſich ſelbſt ſprach:„wenn die alte achtzigjährige Per⸗ ſon dort auf der Matratze jetzt aufwachte und dich mit weit auf⸗ geriſſenen Augen anſtierte, ſo müßteſt du doch vielleicht dein Meſſer gebrauchen!“
Glücklicherweiſe aber ſchlief die Kiliane ruhig fort, der Dieb nahm ungehindert das Geld von dem Stuhle weg und ſchlüpfte zurück ins Vorzimmer; doͤrt ſchaute und tappte er um⸗ her, und ſah in der halb geöffneten Commode neben andern Dingen, die ihm vollkommen werthlos ſchienen, ein kleines Packetchen liegen, das er durch einen raſchen Griff zu ſich brachte, weil es ihm etwas Rützliches zu enthalten ſchien, und ſich nun eilig entfernte. Ihm war außerordentlich wohl zu Muthe, als er ſo mit den zweihundert Gulden in der Taſche die Treppen hinabſchlüpfte in den zweiten Stock, und dann in den erſten, und als er nur noch wenige Schritte bis zur Gallerie, bis zur Sicherheit hatten.*
Da blieb er plötzlich horchend ſtehen, denn es war ihm, als höre er in dem ſtillen Hauſe auf einmal leiſe ſchlurfende


