Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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318 Einundzwanzigſtes Kapitel.

ſehen ließ, ſtemmte ſie den rechten Arm in die Seile und richtete

ſich herausfordernd empor, als wollte ſie ſagen: komm heran, wenn du noch was willſt! Als ſich aber der junge Menſch nach dieſem Auftritt emporraffte, und, ohne ſie weiter zu beachten, an die Glasthüre trat, wandte ſich das Mädchen um, ſchleuderte Hut und Shwal auf das Sopha, öffnete ohne Weiteres ihren grauſeidenen Ueberrock, und während ſie ins Nebenzimmer gieng, ließ ſte denſelben von ihrem Körper herabgleiten und auf der Schwelle liegen, nicht ohne mit dem Fuße noch einen Verſuch zu machen, ihn von ſich wegzuſchleudern.

Ihr habt da ein gut Stück Erziehung gemacht! ſagte der junge Menſch, als das Mädchen verſchwunden war, zu der Mutter;die iſt Euch famos über den Kopf gewachſen.

Die Alte zuckte die Achſeln, ſtieß einen tiefen Seufzer aus, ohne Antwort zu geben, raffte die Kleidungsſtücke vom Boden und Sopha auf und verſchloß ſie ſorgfältig in einen geheimen Schrank, der ſich in der Mauer hinter einem gewöhnlichen Schranke befand, welch' letzterer mit Weiberröcken ganz geringer Art angefüllt war.

Der junge Menſch prüfte die Feſtigkeit des Seiles, und als er es feſt genug angeſpannt fand, zog er ſeine Kleidungs⸗ ſtücke wieder an, bis auf die Schuhe, welche er an einer kleinen Schnur an dem Halſe feſtband; dann wandte er ſich zur Müllere und ſagte:paßt mir genau auf, Frau, ich gehe jetzt hinüber und will mein Heil verſuchen. Ihr bleibt hier an dem Glas⸗ fenſter ſtehen und behaltet genau die Thüre drüben im Auge; wenn Ihr mich ruhig zurückkommen ſeht und nichts weiter hört, als daß ich die Thür wieder ſchließe, ſo iſt Alles in Ordnung; hört Ihr mich aber wie eine Ratte pfeifen Ihr kennt das Zeichen? ſo habt Ihr nichts weiter zu thun, als den Strick

vom Ofenſtein loszumachen, ihn in den Hof hinab zu werfen