310 Einundzwarnzigſtes Kapitel.
ihren Dienſt mit der größten Schärfe verſehen; denn ich verſichere Ihn, Steinmann, es iſt entſetzlich, welche Menge Gaunereien und Diebſtähle aller Art in hieſiger Reſidenz vorkommen; alle Tage bekommt man die Meldung von irgend einem Einbruche, irgend einer Spitzbuberei; es iſt ganz entſetzlich, unter den Menſchen gibt es weder Treu' noch Glauben mehr; die Immora⸗ lität iſt furchtbar geſtiegen, und weßhalb? das will ich Ihm ſagen: weil die Hauptſtütze der Moralität, die Religion, in ihren Fundamenten wankt— weil es— weil es— unter den Menſchen faſt keine Religion mehr gibt; deßhalb, Steinmann, geſchehen ſo viele Gräuelthaten und deßhalb muß jeder redliche Staatsbürger,—— jeder rechtliche, eifrige Staatsbürger, und dazu rechne ich auch Ihn, Steinmann, dafür beſorgt ſein, daß die Religioſttät unter den Menſchen immer mehr angeregt wird und daß die chriſtliche Gemeinde, der wir anzugehören die Ehre haben, feſt zuſammenhalte in Glaube, Liebe und Hoffnung.“
„Allerdings!“ ſagte der Steinmann, der außerordentlich gerührt ſchien;„und der Herr Stadtrath haben in jeder Be⸗ ziehung über mich zu befehlen.“
„Ich weiß das, guter Steinmann,“ ſagte Vater Schwämmle, „und rechne in allem Guten ſtark auf Ihn. Wir alle müſſen Hand anlegen, daß die Religion wieder zu einem feſten Band wird, das uns innig umſchlingt und uns ſtark macht, den Verſuchungen zum Böſen zu widerſtehen— nicht wahr, Steinmann?
„Allerdings!“ wiederholte der Stadtſoldat und blinzelte mit augenſcheinlicher Freude auf das Papier, welches Vater Schwämmle in der Hand hielt und in welches derſelbe während des Sprechens zuweilen einen Blick warf.
„Ein feſtes Band, das uns umſſchlingt, und dieſes feſte


