Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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30 Drittes Kapitel.

dem Herzen, die andere auf dem Kopf des Kindes; ihr Geſicht

war, wie es bei Bruſtkranken gewöhnlich der Fall iſt, eingefallen und wachsbleich, doch hatte der Tod daſſelbe nicht verzerrt; es war das Antlitz eines jungen Weibes von einigen zwanzig Jahren, dem man anſah, daß es einſtens ſchön geweſen war. Durch das gewölbte Fenſter drang der Schein der Straßenlaterne, und da dieſelbe vom Winde hin und her bewegt wurde, ſo warf das flackernde, zitternde Licht ſeine beweglichen Strahlen über das Antlitz der Geſtorbenen, daß man hätte gl bisweilen mit den Lippen.

Nachdem die beiden Weiber eine Zeit lang ſtill gebetet, erhob ſich die Frau Welſcher und zog das ärmliche Leintuch über das Angeſicht der Verſtorbenen. Die Winklere nahm den alten Wei⸗ berrock aus dem Kaſten in der Ecke und heftete ihn mit einigen Stecknadeln vor das Fenſter des Zimmers; ſie ſagte, es ſei ihr ſchauerlich, wenn das Licht der Laterne die ganze Nacht durch auf das Geſicht der armen Marie falle, und ſie könne ſich nicht des Gedankens erwehren, als werde ſte davon aufgeweckt und ſchaue um ſich, verwundert, daß ſie geſtorben ſei; auch ſetzte ſte mit leiſer Stimme hinzu:Ich wohne hier neben dran, und wenn ich heute Nacht vorbeigienge, ſo müßte ich immer durch das Fenſter hinein ſehen und würde immer glauben, ſie lebe doch noch.

Als dieſes geſchehen war, zog ſte eine Putzſchachtel unter dem Bette hervor und nahm daraus einige alte ſeidene Tüche welche ſie dem kleinen Mädchen um den Kopf und um den La wand, zog ihm ein Paar Handſchuhe an und ſchob ihm ein zu⸗ ſ n Arm. Damit war der An⸗

auben können, ſie zucke

ſammengedrehtes Hemdchen unter de

und Auszug für das Kind beſorgt, die Frau Welſcher nahm es bei der Hand, und alle drei verließen das Zimmer. Nachdem die Thür geſchloſſen war, beteten ſie noch ein Vaterunſer, und die Waſchfrau ſagte:Komm' Sie morgen früh, um nach dem

Kinde zu ſehen, Winklere, und alsdann gieng ſie ihrem Hauſe zu.

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