Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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4 Erſtes Aapitel.

die ſo häßlich, wie ſie der Künſtler geſchaffen, nie exiſtiren konn⸗ ten; die Kirchthurm⸗Uhr hat denſelben bekannten Klang, wie vor vielen hundert Jahren, nur iſt ſie vor Alter etwas heiſer gewor⸗ den; die Thüren da unten öffnen ſich auf dieſelbe Art wie früher, und die Bewohner der Häuſer kommen nach wie vor aus denſel⸗ ben heraus, aber der alte Ritter da oben auf dem Brunnen ſieht mit jedem Jahrzehnd das Aeußere dieſer Menſchen wechſeln, und wie hat ſich daſſelbe gar geändert ſeit der Zeit, wo er von ſeinem Piedeſtal herabſteigend, ohne viel Aufſehen zu erregen, unter ihnen hätte herwandeln können! 3

Es iſt aber nichts ſo geeignet, dergleichen Phantaſteen Raum zu geben, wie die Zeit der ſtillen Mitternacht, wo die Straßen leer, die Häuſer geſchloſſen ſind; nichts iſt dann hörbar, als das Rauſchen der Brunnen, und dieſe rieſelten damals gexade ſo wie heute, in derſelben Geſtalt, mit demſelben Ton.

An das Portal eines alten Hauſes gelehnt und an dem großen, mit Eiſen beſchlagenen Thor deſſelben lauſchend, iſt man leicht verſucht, zu glauben, drinnen erhebe ſich das alte, luſtige Leben und verjage die neue nüchterne Zeit mit ihren froſtigen, poeſteloſen Geſtalten. Dumpf wirbeln die Pauken, der Baß reißt gellend den Takt in das wirre Tongemälde einer luſtigen Tanz⸗ muſik, Gläſer klirren, und der Thorweg iſt mit Dienern aller Art angefüllt, welche Fackeln tragen, um ihre Herrſchaft nach Hauſe zu begleiten. Jetzt öffnen ſich geräuſchlos die Flügel des großen Thors, und die Treppe herab wimmelt der glänzende Zug der Gäſte, die das gaſtliche Haus verlaſſen; Fackelglanz und Kerzenſchimmer erhellen die gewölbten Vorhallen und ſchimmern auf Gold⸗ und Silberſtickerei, auf buntem Sammt und wallenden Federn. Der Hausherr ſteht oben an der Treppe, die Hand der Gemahlin ruht in der ſeinigen, und Beide winken⸗den Gäſten recht wehmüthig zum Abſchied bis zur nächſten Mitternacht. Der Page, der vor ihnen ſteht, hält den kleinen Bologneſer empor, der mit hinabſchlüpfen wollte. Endlich hat ſich das Haus entleert,