Druckschrift 
Das Schloss von Coppet im Jahre 1807 : historische Novelle / aus dem Nachlasse der Gräfin von Genlis. Nach dem Franz. frei bearb. von C. G. Hennig
Entstehung
Einzelbild herunterladen

118

fort an einander kettet! Sollte ich dieſe letzten Faͤden, die unſere Seelen durch eine heilige Sympathie noch an einander ketten, freventlich zerreiſſen? Jede ihr ent⸗ ſproſſene edle Handlung, jede durch ſie entflammte Be⸗ geiſterung, jedes durch ſie verſchoͤnte Gebilde menſchli⸗ cher Vollkommenheit wird ſich in meinem Kopfe und in meinem Herzen immer mit der Erinnerung an Sie verſchmelzen. Wie theuer wird ſie mir ſeyn, ſie wird immer von Ihnen zu meinem Herzen reden.... Aber kann derjenige Ruhe finden, der Sie liebt, und ſeine Liebe zum Opfer bringen muß! Nein, ich werde immer unruhig, immer ungluͤcklich, aber mit Muth und Ihrer wuͤrdig werde ich es ſeyn. Erinnern Sie Sich, daß ich niemals, weder Ihre Bedenklichkeiten noch Ihre Entſchluͤſſe bekaͤmpft habe. Das Gluͤck Sie mit Entzuͤcken bewundern zu koͤnnen, entſchaͤdigt mich fuͤr Alles. Wenn ich Ihre edeln Gefuͤhle haͤtte bekaͤmpfen wollen, ſo haͤtte ich geglaubt, die meinigen zu entheili⸗ gen, ich haͤtte befuͤrchtet, die erhabene Verbindung un⸗ ſerer Seelen aufzuloͤſen.

Ha! erwiederte Athenais,dieſe reine Vereini⸗ gung, muß uns fuͤr die Zukunft ein Gluͤck ſichern, wel⸗ ches weder Zeit noch Abweſenheit zerſtoͤren koͤnnen, dies ſagt mir ein ſuͤßes Vorgefuͤhl. Die zarte und treue Freundſchaft wird uns fuͤr die Qualen der Liebe ent⸗