—
+4
Selbſt in ihrer Jugend beſaß Magdalene keine andern Reize; als die eines warmen,
anhaͤnglichen Gefuͤhls, und jetzt hatte die
Laſt der Jahre ſie faſt zu einem Reif gebo⸗ gen. Aber ſo alt und haͤßlich ſie war, beſaß ſie dennoch Eigenſchaften, welche ihr die Liebe eines ſo großmuͤthigen Knaben, als ihr jetziger Pflegling war, wuͤrden gewonnen haben. Ihr
Vater war Schulmeiſter im Dorfe Kittleſton
geweſen, und ehe ſie, wie man zu ſagen pflegt, ihr Brot unter fremden Leuten ſuchen mußte, hatte ſie, unter ſeiner Leitung, einige
Kenntniſſe erworben, welche in jenen Zeiten
bei weiblichen Dienſtboten ſelten oder nie zu finden waren. Daher war ſie faͤhig, den verwaiſten Knaben nicht nur im Leſen und Schreiben zu unterrichten, ſondern ihm auch ſogar die erſten Elemente der Rechenkunſt, vorzuͤglich das Aoͤdiren und Multipliciren, beizubringen. Auch beſaß ſie einen großen Schatz von Maͤhrchen, Geiſtergeſchichten und Heldenſagen, durch welche ſte ſchon dem Va⸗
ter des kleinen Claudius den Geſchmack an
Abenteuern eingefloͤßt hatte, der ihn in der


