Frauen und Opfer. 257
nur vor den Commandanten, als ſie angab, wichtige Nachricht aus Ketskemet zu bringen.
„Was bringen Sie? fragte ſie der Officier bei ihrem Eintritt nicht beſonders höflich.
„Ich habe keine Nachrichten— ich gebrauchte nur den Vorwand, um Sie zu ſprechen. Ich bin die Gattin des Doctor Roſe, den man im Anfang dieſer Woche hie— her gebracht hat; ich komme eben von einer Reiſe und erfahre erſt jetzt die Verhaftung meines Mannes. Mein Gatte kann nur durch ein Mißverſtändniß hier ſein, er hat ſich nie in Politik gemiſcht und nur ſeinem Berufe gelebt.“
„Geht mich nichts an!“
„Iſt er ſchon verurtheilt?“.
„So viel ich weiß, nicht, ſeine Sache wird erſt nächſte Woche vor's Kriegsgericht kommen, die Herren haben zu viel zu thun.
„Herr Obriſt— mein Mann iſt unſchuldig an jeder politiſchen Bewegung; ich gehe jetzt zu Haynau und
bringe Ihnen, ſobald es menſchenmöglich iſt, meines
Gatten Freilaſſung, meines Gatten, der Hunderten von öſterreichiſchen Soldaten ihre Wunden verbunden und geheilt hat und jetzt zum Lohne dafür von ihnen erſchoſſen werden ſoll! Ich mache Sie verantwortlich für ſein Leben bis dahin!“
Gegen den Strom. II. 4 17
ͤ—


