Frauen und Opfer. 2⁵⁵
des Mannes, der ihr einſt ſo werth, und betete, daß Gott ſie erlöſen möge aus dieſer Qual, ohne in ihres Herzens Pein zu ahnen, daß ſie durch dies Gebet nichts Anderes als Alberts Tod erflehte!
Er bat ſie um ihre Hand, die ſie ihm noch nie gegeben— ſie that es— die ſeinige war ſchon eis⸗ kalt; ſo ſchlummerte er ein mit dem ſeligen Lächeln eines Kindes— in beiden kalten Händen ihre lebens⸗ warme; ruhig, ſtill und zufrieden, während das angſt⸗ zerriſſene Weib ſich mit allen Qualen, die das Leben in eine Menſchenbruſt legen kann, vor ſeinem Bette wand.
„Er hat vollendet,“ ſagte der Arzt leiſe; in dieſem Augenblick ſchlug die Uhr Mitternacht, und Agnes ſchnellte empor wie von einem electriſchen Schlage ge⸗ troffen.
„Nun aus Barmherzigkeit einen Wagen, Doctor!“
„Ich habe das ſchon beſorgt,“ antwortete er traurig, „ſeit einer Stunde hält er unten— Gott ſegne Sie, daß Sie barmherzig waren!“
Agnes warf noch einen Blick auf das Antlitz, das ſie nie mehr ſehen ſollte, und das ihr doch einſt, nach dem ihres Vaters, das liebſte— geweſen, jenes Antlitz, das ſie immer heiter und fröhlich geſehen, und


