Ein junges und ein altes Herz. 227
„So ſei es denn, weil Sie es nicht anders faſſen und ertragen können. Ich bringe das Opfer. Heute über acht Tage reiſen Sie am Nachmittage ab und erwarten mich an der Weiherwieſe am Ausgang des Wäldchens um 8 Uhr Abends; man wird mich mit einer Geburtstagsarbeit in meinem Zimmer eingeſchloſ⸗ ſen wähnen. Bis dahin keinen Blick, kein Zeichen, nur unter dieſer Bedingung halte ich Wort.“
Wilhelm war wie im Himmel, und ſein ſtrahlen⸗ des Geſicht ſtach unendlich gegen Alberts niederge⸗ drücktes Weſen ab.
Er bereitete die Familie auf ſeine Abreiſe vor, er gab an, Briefe aus Ungarn erhalten zu haben, die ihm dort eine Stelle in Ausſicht gäben, aber nur in dem Falle, daß er ſogleich abreiſe. Roſalien entging ſeine Sieges⸗ trunkenheitnicht, aber ſie bemerkte auch eben ſo wohl, daß Ludmille durchaus jedes Einverſtändniß mit ihm ab⸗ gebrochen.— Sie ahnte die Wahrheit, als Wil⸗ helm auch bei ihr vom Abſchied ſprach.— Wie
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würde er ſonſt ſo glücklich beim Weggehn von
einer Geliebten ſein, wenn er nicht gewiß wäre, daß ſie ihm folgen werde?
Sie ſuchte ſich ſo viel als möglich ihrem ſcheiden⸗ den Liebling gegenüber zu beherrſchen, aber der gren⸗ zenloſe Schmerz der nun bald ganz Vereinſamten war
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