Agnes. 11
wunderte ſich über ſeine Beleſenheit in der deutſchen Literatur.
„Ich verſtehe, mein Fräulein, Sie meinen, unſer⸗ eins leſe nur Franzöſiſch. Leider Gottes habe ich das auch ſehr viel gethan, der ſchlechteſte Roman Paul de Kocks war mir nicht zu ſchlecht; aber deshalb eben bin ich jetzt gründlich geheilt zu meinem Vaterland zurück⸗ gekehrt.“
„Alſo Sie leſen viel?
„Ich habe weiter nichts zu thun. Mein Vater regiert ſeine anderthalb halben Unterhanen— die andre Hälfte gehört ja dem Landesſouverain— und das füllt kaum ſeine Zeit aus, da er anſtandshalber noch drei Beamte daran muß Theil nehmen laſſen. Sie können ſich den⸗ ken, gnädiges Fräulein, wie man die armen halben Unterthanen breit ſchlägt, damit ſie ausreichen.“
Agnes ſah ihn lachend und verwundert an, dieſe Selbſtironie war ihr bei Männern ſeines Standes noch nicht entgegengetreten und zog ſie ſchon um der Selten⸗ heit willen an.
„Sie ſollten in Militairdienſte treten, Prinz.“
„Um mich jetzt im tiefen Frieden der Menſchheit nützlich zu machen?“ fragte er laut lachend.„Ach liebes Fräulein, ich habe eine eigne Anſchauung der Dinge und ich kann mich nicht ſo sans rime et sans raison


