Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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Agnes. 7

römiſche Cameen, die ihr Vater ihr aus Italien mitge⸗ bracht hatte.

„Du ſiehſt ja aus wie eine Veſta, mein Kind,“ ſagte der Geheimerath, als er ſie in ihrem Zimmer abholte.

„Das iſt nichts als Zufall, liebſter Vater; die Aer⸗ mel waren zu lang gerathen, da mußte ich ſie auf⸗ neſteln; an eine Göttin habe ich dabei nicht gedacht, wohl aber an einen Gott, einen Gott in einer ganz prächtig geſtickten, blendenden Geheimeraths⸗Uniform!“

Und dabei warf ſie ſich auf ſo lebhafte Art an den Hals ihres Vaters, daß ſeine Orden und ihre Crepp⸗ Aermel in eine unzertrennliche Allianz kamen, welche die alte Kammerfrau endlich kopfſchüttelnd löſen mußte. Ihr Wagen war einer der letzten unter dem Portale des Schloſſes. Sie durchſchritten raſch die Vorgemächer, um dann die Zimmer zu betreten, in welchen ſich die Gäſte nach ihren verſchiedenen Rangclaſſen halten muß⸗ ten. Im erſten bildeten alle Herren, die ſich nicht mit dem Kammerherrnſchlüſſel oder den Oberſtenepaulettes ſchmücken konnten, Spalier; im zweiten ſchon mußte Agnes bleiben, denn hier befanden ſich die rangloſen Fräulein oder wie ſie ſelbſt ſich nannten, die Parias; im dritten Zimmer weilten die verheiratheten Damen und die Stiftsfräulein unter dem Schutze der Kammer⸗ herren und Oberſten. Im vierten und letzten endlich