Teil eines Werkes 
4. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

329

maligen Toilette ſich auf der Straße zeigte, gingen ihr ſogar die Kinder aus dem Wege und nannten ſie die alte verrückte Schwedin, die nur Franzöſiſch ſpräche und Deutſch ſchimpfte. Den Namen Spyker durfte Niemand vor ihr nennen, denn das beleidigte ſie, als ob man ſie in das Geſicht ſchlüge; entfuhr Jemandem einmal zufällig das Wort oder irgend eine Andeutung darauf, dann biß ſie wie eine Wüthende um ſich und erklärte die ganze Welt für eine Mörder⸗ grube. Zuletzt wurde ſie lahm und taub; auf einen alten Regenſchirm geſtützt, einen Hut auf dem Kopfe tragend, der vor vierzig Jahren Mode geweſen war, ſchlürfte ſie wie ein dräuendes Geſpenſt durch die Gaſſen, indem ſie den Männern lachende Blicke und jungen Mädchen eine höhniſche Fratze zuwarf.

Ihr größtes Labſal war Kaffee, Schnupftabak und ſüßer Liqueur. In letzterem vergeudete ſie alles Geld, was ſie erübrigen konnte, und endlich kam ſie nur nach Spirituoſen duftend in die Geſellſchaften, wo ſie tolles Zeug redete und Jedermann Aergerniß

bereitete. Als ſie endlich, beinahe ſechszig Jahre alt,

ſtarb, glich ſie einer ausgetrockkneten Mumie und war ſo klein und dünn geworden, daß ſie ein Knabe hätte zur Gruft tragen können. In ihrer Commode fand man wer hätte das geglaubt und wer will es ge⸗