Teil eines Werkes 
2. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9⁹ 2oö als Schriftſtellerinnen, Künſtlerinnen und ſonſtige aetheriſche Weſen hervorgehn zu laſſen, war auch Gylfe zu einer ſelbſtbewußten Jungfrau herangereift, ihre natürliche Anlage hatte daſelbſt einen fruchtbaren Boden für excentriſche Wucherungen, eine ſchmeichle⸗ riſch pflegende Hand für ihre Frühreife gefunden und ſo war ſie als eine vollendete Erſcheinung ihrer Art aus den Reihen der penſionsanſtaltbeglückten Mäd⸗ chen Deutſchland's in's Leben hinausgetreten.

Als ſie ſo, innerlich geſtählt gegen die feindſeligen Anſtürmungen der Welt, gepanzert mit eiſerner Schnür⸗ bruſt gegen das Wohlwollen und die natürliche Ein⸗ fachheit ihrer Mitmenſchen, in das Stift zu Bergen trat, glaubte ſie eine von Gottes Gnaden beglückte Königin zu ſein, der Alles huldigend zu Füßen liegen müſſe, und ſie hielt ſich für auserleſen, eine Rolle in der Welt zu ſpielen, zu der im gewöhnlichen Laufe der Dinge nur Prinzeſſinen und derartig hochgeſtellte Perſonen berechtigt ſind. Kein Wunder daher, daß ſie nicht das geringſte Verlangen trug, in das einfache Haus ihres edelherzigen Pflegers nach Stockholm überzuſiedeln, deſſen ruhige Alltäglichkeit und patriar⸗ chaliſche Würde ſie kannte; daß ſie es vielmehr vor⸗

*

zog, als eine Befehle dictirende Herrſcherin auf Spy⸗

ker zu reſidiren und da in ſüßem Nichtsthun abzu⸗