I.
Arm, aber geſegnet.
Ich bin am 28. April 1789 zu Weſel am Rhein ge⸗ boren. Mein Vater war ein wohlhabender Mann, Eigenthümer eines kleinen, doch hübſchen Hauſes und ſeines Handwerks ein Schneider. Ich erinnere mich noch lebhaft zweier Lindenbäume mit rundgeſchnitte⸗ nen Kronen, die vor unſerem Hauſe in der Kreuz⸗ ſtraße ſtanden und vielleicht noch ſtehen, ſo wie eines geräumigen Zimmers, worin auf hohem Bocktiſche zehn bis zwölf ſingende Geſellen im Kreiſe bei der Arbeit ſaßen. Im kleinen engen Nebenſtübchen aber ſtand vor ſeinem Zuſchneidetiſche, ernſten Angeſichts, die große Scheere in der Hand, mein Vater ſelber, von Zeit zu
Zeit einen prüfenden Blick durch die Thür auf ſeine
luſtigen Arbeiter werfend. Ich ſpielte dabei bald hier bald da herum, die bunten Puchlippihen Aihaſhen


