nach dem Schloß hinauf, wenn ich wußte oder ahnte, daß die kleine Prinzeß davon ihr Theil erhielt, denn dieſes engelgleiche, liebliche Kind mit den blaßgoldenen wogenden Locken, die einzige Tochter des fürſtlichen Paares, wurde von meiner Mutter abgöttiſch verehrt, weshalb ſie auch mir eine ganz beſondere Anhänglich⸗ keit und Neigung dafür eingeflößt hatte.
Doch ich glaube, daß hier die beſte Gelegenheit i*ſt, einige wenige Worte über unſern Fürſten und ſeine Familie, ſo wie über das Verhältniß zu ſagen, in dem die Mitglieder derſelben unter einander lebten und zu uns, allen übrigen Bewohnern der Stadt und alſo auch des ganzen Ländchens ſtanden.
Der Fürſt war ein Mann im kräftigſten Mannes⸗ alter, hoch gewachſen, mit ſtolz edlem Geſicht und einer Haltung, wie ſie nicht ritterlicher und vornehmer ge⸗ dacht werden kann. In ſeinem Weſen nach Außen hin war er mehr ernſt als freundlich, doch im Ganzen leutſelig und Jedermann zugänglich. Bisweilen und zwar wenn er zornig oder bei übler Laune war, hatte er etwas Herriſches im Ausdruck der Miene, etwas unduldſam Strenges in ſeinen Forderungen, im Allge⸗ meinen aber zeigte er in jederlei Hinſicht eine große Herzensgüte, wenngleich auch ein zähes Feſthalten an allen durch das Herkommen geheiligten Gebräuchen


