Teil eines Werkes 
2. Theil (1862)
Entstehung
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Ihre zu der beſchwerlichen Reiſe ſchon verkürzten Reit⸗ kleider wurden noch höher geſchürzt, man ſetzte ſich feſt in die Sättel und von den ſicheren Händen der Hoch⸗ länder geleitet, ſtiegen die kleinen Pferde muthig den Abhang zum ſchäumenden Waſſer hinab, wateten bis zum Knie durch die Furt und kletterten behende am jenſeitigen Ufer wieder empor. Das Zagen und Herz⸗ klopfen Martha Tiefenſee's nahm ab, als ſie hier Georgy und ihren Bruder zuerſt den feſten Boden wieder gewinnen ſah und da ſie zugleich ein Blick ihres Begleiters ermuthigte, war ſie dreiſt genug, ſich ihrem Pferde anzuvertrauen, welches auch ſchnell und glücklich den vorangegangenen Gefährten folgte.

Jetzt führte der Weg dicht am ſanften Abhange hin, der an dieſer Seite das nördliche Ende des Shin⸗ Sees einſchloß, an deſſen gegenüberliegendem Ufer aber das wilde Uarrangebirge ſich in ſeiner ganzen Majeſtät vor den Blicken der Reiſenden ausbreitete. Hoch thürm⸗ ten ſich vor ihnen die beiden größten Bergrieſen dieſer Gegend auf, der Ben⸗More und der Ben⸗Uarran, auf deren dreitauſend Fuß hohen Gipfeln ewiger Schnee lag, obwohl von ihnen aus zahlloſe kleine Rinnſale, ſtlbern in der Morgenſonne glitzernd, herniederrauſchten, um ihren tollkühnen Uebermuth in den blauen Fluthen des Shin⸗Sees zu kühlen.