Joſephſon ſah nicht ſcharf, aber er hörte gut. Er glaubte fernes Raſſeln auf der Landſtraße zu vernehmen.
Und ſo war es. Eine halbe Stunde ſpäter trat der Juſtizminiſter, an der einen Hand vom Pſarrer, an der andern von Emma geleitet, in Eduards Zimmer und fand ihn allein. Waldemar Ramkau, gerührt von dem nicht erwarteten gütigen Empfange, erſchüttert von den ihm neuen Empfindungen der letzten Stunden, zerknirſcht bis in's Innerſte ſeines Lebens, hatte, wie ein Schmetter⸗ ling, der ſeine rauhe Raupenhülle von ſich ſtößt und mit
lichteren Schwingen einen neuen Aether, ein reineres Leben
berührt, die Schlacken ſeines düſteren Stolzes, die Maske ſeines Trotzes von ſich geworfen und ein durch den Schmerz des Lebens geläuterter Menſch trat er vor den jungen Mann, der ſein ganzes Daſein ohne ſeinen Willen ſo herbe und dunkel gefärbt hatte. Faſt wäre er vor ihm nieder⸗ gefallen, als er ſein offenes, klares Auge ſah und in ihm die Züge der nie vergeſſenen Schweſter, der Mutter Eduards, erkannte. Dieſer vergoß Thränen der Rührung, als er den alten Mann mit den weißen Haaren ſo gebeugt vor ſich ſtehen ſah, und ihm raſch entgegentretend und mit der einen Hand ihn, mit der andern Hand Emma haltend, ſprach er ſauft und faſt wehmüthig.
„Mein Oheim! Habe ich nicht Recht gehabt, daß ich vertraute? Da ſind Sie und ich heiße Sie willkom⸗


