— 147—
welches dieſer in tauſend verſchiedenen Kopieen verviel⸗ fältigt. Da hat es in ſeiner charakteriſtiſchen Schönheit ihm gefallen, er hat es erfaßt und nach ſeiner Weiſe glücklich verarbeitet.“
„Iſt es denn ſehr ähnlich?“
„Wie man es nehmen will. Judith iſt es und iſt es nicht. Genug, der Maler hat ſie nach ſeinem Ge⸗ ſchmacke zugeſtutzt, und wahrhaftig, er hat an der Natur nichts verdorben, eben ſo wenig wie an Deinem Portrait.“
„An meinem Portrait? Hat er mich denn gemalt?“
„O, nun hab' ich es doch geſagt. Wolf iſt ein Pa⸗ pagei geworden, er kann nichts mehr verſchweigen. Aber da Du es einmal halb weißt, wiſſe es ganz: Der ent⸗ erbte Königsſohn Lambecks zeigt Dein Portrait. Auch ähnlich und wieder nicht ähnlich— jetzt, nachdem ich Dich mit einem Schnurr⸗ und Zwickelbart wieder ſehe, erſcheint es mir allerdings noch ähnlicher, denn Adalbert hat mir rundweg erklärt, die Natur ließe den Bart ent⸗ ſtehen, damit der Menſch ihn wachſen laſſe, nicht aber verſchneide. Und darum trägt er auch jetzt ſelbſt ein Geſicht, beinahe ſo reich an Haar, wie das eines Bären, und darum hat er auch Deinem Bilde wenigſtens einigen Bart zugeſetzt, beinahe, wie Du ihn ſelbſt trägſt.“
„Dieſe Geſchichte gefällt mir nicht recht. Das hätte er unterlaſſen ſollen. 4 „Warum denn? Jedermann weiß ja, daß Ihr nicht 3 10*


