Teil eines Werkes 
1. Theil (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

235

keimenden Fluren dahin und jeder Pulsſchlag ſeines Her⸗ zens und jeder Druck ſeines Armes ſagte laut und ver⸗ ſtändlich zu Beiden:

Dank, tauſend Dank, Ihr Guten und Geliebten, aus Grund meines Herzens!

Der Abend wurde im Pfarrhauſe ſtill und geräuſch⸗ los hingebracht, als wenn nach dem Vorgefallenen jedes Wort ein Ueberfluß geweſen wäre. Alles war zur Reiſe geordnet, denn ſchon früh am Morgen, mit Tagesanbruch, war der Wagen beſtellt, um noch zu rechter Zeit in der von Bilſingen ſechs Meilen entfernten Hauptſtadt zu ſein. Endlich um eilf Uhr war Alles im Pfarrhauſe zur Ruhe gegangen. Die Schweſtern hatten am Halſe des theuern Bruders gehangen, die Mutter hatte ihm ihren heißeſten Segen, den ewiger Muttertreue, geſchenkt. Alles ſchlief. Nur zwei Herzen konnten die Ruhe nicht finden, die die 5 anderen umſchlungen hatte. Es waren Vater und Sohn, von denen jeder auf ſeinem Zimmer, jeder mit ſeinen tiefeigenſten Gedanken beſchäftigt, dem kommenden wichti⸗ gen Tage wachend entgegengehen zu wollen ſchien.

Da pochte es erſt leiſe, dann etwas lauter an das Fenſter Eduards. Der helle Vollmond, eben hinter einer weißen Wolke verborgen, ließ den Mann, den Eduard ſogleich wahrnahm, nicht recht erkennen. Erſt als er ſprach, hörte der Jüngling, der das Fenſter leiſe geöffnet hatte, wer es war. 5