Teil eines Werkes 
2. Theil (1859)
Entstehung
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ſeit Jahren zum allgemeinen Beiſammenſein beſtimmt waren. Denn während der Baron ſeinen Vergnü⸗ gungen, die mitunter an Ausſchweifungen gränzten, mit ſeinen Nachbarn nachging und nur bisweilen bei Tiſche oder ſpät Abends auf kurze Zeit im Kreiſe ſei⸗ ner Familie erſchien, und während Tante Sibylle und Fräulein Urſel grollend und grübelnd in ihren Zim⸗ mern ſaßen, wie dem jetzigen Unweſen in Brenkowitz ein Ende zu machen ſei, lebten die übrigen Glieder einträchtig, freundſchaftlich, liebevoll neben und mit einander, laſen und ſchrieben, ſprachen und ſangen, muſicirten und ſpazierten nach Belieben und fühlten ſich dabei ſo glücklich, wie man ſich in einer angeneh⸗ men Häuslichkeit unter den Seinigen nur fühlen kann.

„Laß ſie ſich nur vergnügen, Urſel,“ ſagte eines Abends Sibylle zu ihrer Freundin, als ſie grollend das Muſikzimmer verließen, wo Rachel ſo eben alle Ver⸗ ſammelten mit ihrem Spiele entzückt hatte,„laß ſie nur— ihre Zeit iſt jetzt und unſre Zeit kommt ein andermal. Ich müßte mich ſehr täuſchen, wenn nicht einmal ein Blitzſtrahl in dieſes gottloſe Leben fahren und dieſe Herzlichkeit und Innigkeit auseinander trei⸗ ben ſollte wie Spreu. Das iſt jetzt eine Wonne und ein Behagen um dieſes verwünſchte Judenkind, als ob

es vom Himmel gefallen wäre, und doch bin ich über⸗