Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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mentlich in der Nähe des Hafens machte ſich Nachts unter ehemaligen Matroſen und einem gewiſſen Theile der niedrigen Bevölkerung eine auffallende Bewegung bemerklich. Unter der am fanatiſchſten däniſch geſinn⸗ ten Einwohnerſchaft liefen ſchon ſeit dem Tage der verlorenen Schlacht Gerüchte um, die man ſich an⸗ fangs nur verſtohlen zuflüſterte, allmälig aber mit frohlockender Miene eifriger und kühner verbreitete. Einige wollten wiſſen, der Amtmann von Veile ſei wieder verkleidet in die Stadt gekommen, um die Bürgerſchaft zu einer großen That aufzuregen, die ſich natürlich auf das Verderben der Feinde bezog; die ganze däniſche Armee, vom Norden heranmarſchirt und vom Süden her durch Schiffe herbeigezogen, würde ſich jählings auf die Stadt werfen, alle Deutſche ver⸗ tilgen und eine blutige Rache für die Niederlage am 20. April nehmen.

Bis zu des Conferenzraths Hauſe drangen dieſe unheilvollen Gerüchte nicht, ſonſt würden ſie daſelbſt eine Beſchleunigung des beabſichtigten Auszuges ver⸗ anlaßt haben; die drückende Schwüle einer mißlichen Lage aber verbreitete ſich wie eine anſteckende Krank⸗ heit durch die ganze Stadt, wirkte alſo auch beun⸗ ruhigend auf die Bewohner des einſamen Hauſes ein, und je länger ſie in derſelben verweilten, um ſo un⸗