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Gefangenen gebracht und entfernte ſich mit ſchwan⸗ kendem Schritte, um das Wohl der Stadt, der er ſo lange im Frieden vorgeſtanden, auch im traurigen Kriege zu bedenken.
„Und wollteſt Du wirklich Henrik's halber nach Kopenhagen, mein Oheim?“ fragte Helene ſchmeichelnd.
„Nun ja, warum nicht? Wenn das ſo fort geht, verliere ich ohnedieß den Muth, hier zu bleiben. Ge⸗ ſtern waren wir Däniſch, heute ſind wir Deutſch, und wer weiß, ob wir morgen nicht wieder Däniſch ſind.“
„Das verhüte Gott!“
„Er verhüte es. Darauf aber verlaß' Dich, ſobald Du dieſer Stadt den Rücken gekehrt haſt, bleibe ich keine Stunde länger hier.“
„O, mein Oheim, ſo will ich ſogleich duſweihen. wenn es Dir hier ſo drückend iſt.“
„Bewahre! So raſch kann ich nicht reiſen. Zwei, drei Tage gebrauche ich, um mein Haus in gehörigen Stand zu ſetzen, denn ich habe zu ſorgen, zu ſchaffen; ich bin kein Jüngling mehr, mein Kind, der heute hier, morgen dort zu Hauſe iſt— bewahre!— Aber wenn es Dir nach einigen Tagen beliebt und Du mich nicht nach Kopenhagen begleiten willſt, dann in Gottes Namen!“


