Teil eines Werkes 
1. Theil (1856)
Entstehung
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die gleich nach Tiſche auf ihre Kammer gegangen war. Endlich konnte er nicht länger zögern, ohne einen Grund dafür anzugeben.Wo iſt Agathe? fragte er mit gepreßter Stimme die Mutter, die leiſe weinend auf ihrem Stuhle ſaß, da nun die Stunde gekom⸗ men war, wo ſie auch ihren älteſten Sohn in den Krieg ziehen ſehen ſollte.

Sie iſt auf ihrer Kammer, mein Sohn. Geh doch hinauf, da ſie nicht herunterkommen will.

Friedrich beſann ſich einen Augenblick, ob er dem Eigenſinne des Mädchens, wie er ihr Betragen nannte, entgegenkommen oder ſeinen Unwillen darüber durch abſchiedloſe Trennung zu erkennen geben ſollte. End⸗ lich ſiegte ſein gutes Herz über ſeinen männlichen Stolz und, nachdem er noch einmal der Mutter Lebe⸗ wohl geſagt, verließ er das untere Zimmer und ſtieg mit langſamen Schritten die Treppe hinauf, die nach der Schweſter kleinem Gemache führte.

Da ſaß ſie einſam und verlaſſen am Fenſter und weinte eben ſo heftig, wie unten die Mutter weinte.

Warum kommſt Du nicht hinunter, um Abſchied von mir zu nehmen, Agathe? fragte er ruhig aber ernſt und ſchaute verwirrt in das unter Thränen lächelnde Geſicht des lieblichen Mädchens.