Teil eines Werkes 
2. Theil, 2. Abt. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

Ach was, Sie tröſten mich immer mit unzuläng⸗ lichen Vermuthungen, Doktor; das iſt zwar hübſch von Ihnen, aber es hilft mir Nichts. Ich ſage Ih⸗ nen, mir iſt ſonderbar zu Muthe und ich fange an,

mich dem Glauben hinzugeben, daß die Leute Recht

haben, wenn ſie ſagen, das Alter mache abergläubiſch.

Freilich, entgegnete der Arzt,Grund genug, ſich verſtimmt zu fühlen, iſt vorhanden, aber man muß nicht gleich das Schlimmſte fürchten, es kann ſich auch Alles beſſer geſtaltet haben, als wir denken.

Schon wieder einmal ein Troſt! Beſſer, als wir denken, ſagen Sie. Sie denken ſich alſo auch etwas Schlimmes wie?

Der Arzt ſchwieg, weil er nicht wußte, was er ſagen ſollte, und nicht ſagen wollte, was er be⸗ fürchtete. Er nippte alſo von dem vollen Glaſe, wel⸗ ches noch unberührt vor ihm ſtand, während der Ba⸗ ron ſchon einige Gläſer geleert hatte.

Die Stille, die ſich während des Schweigens der beiden alten Herren im Zimmer verbreitet hatte, wurde durch Friedrich unterbrochen, der leiſe eintrat nnd die friſch angekommenen Zeitungen auf den kleinen Tiſch legte, der etwas entfernt von dem Tiſche ſtand, an

welchem Jene ſaßen. Der Diener hatta noch nicht

wieder die Thür erreicht, als der Baron ſchon den