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Robert Harding; er beſucht die Armen, die ſie beſucht, er hört die Segnungen, die ſie empfängt; er ſpricht von ihr mit Miſtreß Tracy und hofft, daß die Zeit kommen werde, wo er ſeine Liebe für Alice ſo gut verbergen könnte, daß ſie wieder ſo vertraulich mit ihm reden würde, wie in den Tagen ihrer Kindheit.
Und die alles mildernde Zeit beſänftigte auch den Schmerz dieſer Bekümmerten. Das gemeinſame Leid führte ſie end⸗ lich wieder zuſammen, denn jene ſtumme Sympathie, welche das Herz in der erſten Bitterkeit des Grams kaum zu würdigen vermag, ward für jeden von ihnen eine Quelle des Troſtes. Miſtreß Middleton war für Eduard und Alice ein Gegenſtand der zärtlichſten Sorgfalt. Wenn dieſe zuſammen von gleichgültigen Dingen ſprachen, auf die Töne 1
der Muſik horchten oder die Schönheiten der Natur be⸗ trachteten, dann ſchwebte oft ein und derſelbe Gedanke vor ihren Seelen, ein und daſſelbe Bild vor ihren Augen; dann drückten ſie ſich zuweilen ſchweigend die Hände und beide fühlten. ohne ſich auszuſprechen, daß ihr Kleinod im Him⸗ mel ſey. In Miſtreß Middleton's Zügen, in dem Ton ihrer Stimme, in dem Ausdrucke ihres Antlitzes, fand Alice eine Aehnlichkeit mit dem Gatten ihrer Jugend, welche ihr ei⸗ b nen wahren Herzenstroſt gewährte, den kein anderes We⸗ ſen auf Erden ihr geben konnte, und in der zärtlichen und ernſten Zuneigung, welche ſie an einander feſſelte, fanden beide ihre ſchönſte Freude hienieden. Sie hatten gelernt.— die eine, nach langem vergeblichen Ringen, die andere, auf der Schwelle des Lebens,— daß Glückſeligkeit und voller Friede in dieſer Welt nicht beſtehen können; ſie wandten ihre Blicke jenſeits und fanden inzwiſchen, daß je⸗ der wiederkehrende Tag, auch dem trauerndſten Dulder, neue Tröſtungen bringt in der Erinnerung an durchrungene Kämpfe und vergebene Sünden, in der Erkenntniß Gottes und in der Hoffnung auf das ewige Leben im Vaterlande immerwährender Glückſeligkeit und Klarheit.
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