auf ſein wundgedrücktes Gemüth wirkten— er würde ſich noch unglücklicher gefühlt haben. Das Leben, das für ſie ſo kurz war, ſchien ihm ſo lang, der Pfad, den er wandeln ſollte, ſo einſam, die Hoffnung, die er werth hielt, ſo ent⸗ fernt, dieſe Welt ſo traurig und die andre, beſſere, ſo ge⸗ heimnißvoll!—— Eines Tages, als ſie ſich etwas woh⸗ ler, etwas ſtärker fühlte als gewöhnlich, küßte er ihre bleiche Wange mit leidenſchaftlicher Glut und ſagte:
— Du wirſt mich nicht verlaſſen, Ellen, Du wirſt nicht ſterben?
— Ich kann nicht leben, antwortete ſie; Eduard, mein innig geliebter Freund, ich ſoll nicht leben; ich habe zu viel, zu peinlich gelitten, um mein Haupt wieder aufrichten und noch einmal alles ertragen zu können, was dieſe Welt der Sünde und der Sorge auferlegt. Glaube mir, Eduard, mein Schickſal war weiſe geordnet. Ich ſegne Gott, der mich in ſeiner unbegränzten Güte auf dieſes Lager legte,
um an Deiner Seite zu ſterben, Deine Hand in der mei⸗
nigen halten und Deine Worte der Liebe hören zu dürfen; ihre ſüßen Töne werden bis zum letzten Augenblicke in mein Ohr dringen, und wenn mein Auge dunkel, meine Zunge matt wird, wenn Gedanke und Erinnerung ſchwinden und die Sinne den Dienſt verſagen, ſo wird mich doch das Bewußtſeyn nicht verlaſſen, daß Du bei mir biſt und ich werde ſterben wie ich gelebt habe—— nein, nein! nicht wie ich gelebt habe— mein Leben war qualvoll und mein Tod iſt es nicht.
Mit den welken abgezehrten Händen bedeckte ſie ihre Augen und ein leichter Krampf zuckte einen Augenblick über ihr Angeſicht. Der Gedanke an die vorübergegangnen Lei⸗ den ſchwebte vor ihrer Seele und erpreßte ihr einen tiefen Seufzer. Als ſie aber Eduard wieder anſah und die ſtumme Angſt auf ſeinem Antlitz wahrnahm, ſchlang ſie ihren Arm um ſeinen Hals und ſprach zu ihm:
— Ich würde bei Dir bleiben, Eduard, wenn ich könnte, aber es iſt zu ſpät! Die Quelle iſt verſiegt, das Licht ver⸗ glommen; wir müſſen uns auf eine Zeitlang trennen!
— O Gott! Gott! murmelte Eduard, die Hände in ſchmerzlichem Gebete faltend; Du hatteſt mir ſie gegeben
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