Teil eines Werkes 
2 (1845) Ellen Middleton
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ner Qual und ſeiner ſpäten Reue gelaſſen hatte. Wie ein Schutzengel waltete ſie in dieſem Hauſe der Trauer, wo Miſtreß Tracy, ein anderer wild empörter, nun gebeugter Geiſt, nicht wagend dem Schmerzenlager zu nahen, alle Pein des Streichs empfand, der, beſtimmt das Haupt der Feindin zu treffen, auf ihre eigne Scheitel zerſchmetternd zurückfiel. Es war ein ſchrecklicher Anblick, dieſe alte Frau wie ein Kind über das Unheil, welches ſie angeſtiftet hatte, jammern zu ſehen. Sie rang ihre Hände in Verzweiflung und mit thränenſchweren Augen und fahlen Wangen, lauſchte ſie an der Thüre des Zimmers, wo der Unglück⸗ liche, den ſie als Kind gepflegt, als Mann mit wachſamer, mütterlicher Zärtlichkeit geliebt, deſſen Leidenſchaften ſie ge⸗ fröhnt, deſſen Leben ſie gerettet und vergällt, dem ſie ihr Kind anvertraut und den ſie endlich in ihrer blinden, tol⸗ len Rachſucht ins Verderben geſtürzt hatte, im Todeskampfe raſ'te und fluchte. Zwiſchen ihnen ſtand das Kind, das ihm geopfert, von ihm betrogen ward. Mit Worten des Friedens und heiliger Zuverſicht von einem zu der andern eilend, ſprach Alice von Hoffnung und Vergebung und es gelang ihr, die Seelenangſt der greiſen Unglücklichen in bittre Reue umzuſtimmen. Nach und nach wurde Alice in die Geheimniſſe ihrer Seele eingeweiht; ſie lernte die dunkle Wolke kennen, die Ellen's Leben umſchattete, und indem ſie ſchauderte und weinte, keimte in ihrem Herzen ein Gefühl des innigſten Mitleids, des gottſeligſten unbe⸗ ſchränkteſten Erbarmens. Tag für Tag wachte und be⸗ tete ſie an Heinrich's Seite und endlich drang ein Hoffnungs⸗ ſtrahl durch die Finſterniß. Das Fieber verließ ihn und eines Tages, nachdem mehrere Stunden lang ſein Kopf an ihrer Bruſt geruht hatte, öffnete er die matten Augen mit den Worten:Biſt Du es Alice?

Alice drückte einen Kuß auf ſeine Wange, wie eine Mut⸗ ter ihr gerettetes Kind geküßt haben würde; als er aber die ſchreckliche Frage in ihr Ohr flüſterte, von der ſein Le⸗ ben, ſeine Vernunft abhing, da ward ſie ſo bleich wie er,

und ihre Thränen fielen gleich Regentropfen auf ſeine Stirn herab. Nach und nach gewann er ſeine Kräfte wie⸗ II. 13