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er würde mich vielleicht verlaſſen, mich verachtet, mich aber dewiß nicht vergeſſen haben! andere Augen hätten keinen lanz, ein anderes Lächeln hätte keinen Reiz für ihn ge⸗ habt! in ihrem ruhigen Ausdruck, in ihrem liebeleeren Blick würde er nicht wieder gefunden haben, was mein ſtolzes Herz, was meine feurige Seele ihm gewährt hätte — die alles überwindende Begeiſterung, die ſich hingebende Demuth— die unbegrenzteſte Ergebenheit; den Gehorſam des Sklaven, eines Schutzengels Wachſamkeit! —— Wie geht es Ihnen, liebe Ellen? Wie freut es mich Sie wiederzuſehen! Wollen Sie mir erlauben, Ihnen meine Mutter vorzuſtellen?
Roſa lachte laut auf, als ſie mich mit dieſen Worten anredete undich zugleich vor Ueberraſchung auffuhr; der Silber⸗ ton dieſes fröhlichen Gelächters drang wie ein Mißklang in mein Ohr.
— Nun! ich jage Ihnen dieſelbe Furcht ein, welche mir die unſichtbaren Männer zu Brandon einjagten! rief ſie. Das war eine hübſche Geſchichte, Ellen! ich glaube, der⸗ gleichen Abenteuer werden wir in Hampſtead nicht erleben, aber ich bin ſeelenfroh, daß Sie morgen zu uns kommen. — Und als Heinrich ſich uns näherte, wandte ſie ſich zu ihm:„Guten Abend, Mr. Lovell! wir haben uns in hundert Jahren nücht geſehen!“
— Sie kommen ſo ſpät! ſagte Heinrich. Das Schau⸗ ſpiel muß ſehr unterhaltend geweſen ſeyn, da Sie ſich nicht früher losreißen konnten?
— O wir würden ſchon lange hier ſeyn ohne Ihren Freund Middleton, denn als Papa und Mama, die eben keinen großen Geſchmack am Dramatiſchen finden, ſich zum Weggehen anſchickten, widerſetzte er ſich aus Leibeskräften und errang uns einen ſo glänzenden Sieg, daß wir bis zum letzten Wort blieben und den Vorhang fallen ſahen.
— Sie amuſirten ſich alſo recht gut?
— O gewiß, ganz außerordentlich! Wir weinten im Trauerſpiel, lachten im Luſtſpiel, ſo daß mir gar keine Kraft mehr übrig blieb für das ſchale Stückchen wirklichen Lebens, das uns die Leutchen hier vorführen.


