Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
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und rechnen Sie nicht die Sünden Anderer einem Engel an Güte und Reinheit an, welchem den Staub von den Füßen zu küſſen Andere, die Sie im Herzen tragen, nicht werth ſind. Ich liebe Sie, Miſtreß Middleton, und möchte Ihnen wiſſentlich nicht wehe thun, aber ſtellen Sie mich nicht auf allzu harte Proben, indem Sie das Kind ſchlecht behandeln, welches mein ſterbender Sohn mir hinterließ und das jetzt die Frau Ihres Bruders iſt. Im Namen Gottes, der Sie und mich einſt richten wird, beſchwöre ich Sie, ſeyn Sie gut gegen ſie; ihre Anweſenheit und ihr Gedet können Ihr Haus heiligen und Segen vom Him⸗ mel auf Sie herabrufen. Sagen Sie nicht:Warum hat dieſer Engel an Güte und Reinheit in eine heimliche Hei⸗ rath eingewilligt? Warum iſt dieſe Heilige, deren Gebet Segen auf unſer Haus herabzurufen vermag, ohne unſere Einwilligung in unſere Familie getreten? Alice lebte einſam mit ihren Blumen und ihrer Bibel. Sie las nie einen Roman; ſie hatte nie andern Umgang als den mei⸗ nigen und nur ſelten ſah ſie Ihren Bruder, der jetzt ihr Mann iſt. Die Welt und ihre Gebräuche ſind ihr unbe⸗ kannt. Man fragte ſie, wie Rebecca gefragt wurde: Willſt Du mit dieſem Manne ziehen? Und ſie antwor⸗ tete:Ja, ich will mit ihm. Ich ſagte ihr, daß es ihre Pflicht ſey, Mr. Lovell zu heirathen, und ſie hat ihn ge⸗ heirathet. Wenn ſie ſagen, daß es ihre Pflicht nicht ge⸗ weſen wäre, ihn zu heirathen, und daß ich Alice, wie Sie, Madam hintergangen habe, ſo wiederhole ich:Rich⸗ ten Sie nicht, verdammen Sie nicht, und Sie werden ſo einem furchtbaren Gericht, einer ſchrecklichen Verdammung entgehen.

Iſt jemals ein ſcheinheiligerer, unverſchämterer Brief geſchrieben worden? ſagte meine Tante, als ich ihn auf den Tiſch legte.

Das iſt ein wunderlicher Brief, antwortete ich; was ſie aber von Alicen ſagt, muß wahr ſeyn, ich glaub' es feſt. Das ſtimmt vollkommen mit dem Eindruck überein, den ſie auf mich gemacht hat und mit dem Antheil, den

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