a-
— 127—
heimnißvollen Nothwendigkeit, welcher heimlichen Verpflich⸗ tung. Eine Ehe ohne Liebe, ein traurig einſamer Weg durch's Leben— und Gott allein weiß, welche ſtillen Lei⸗ den, welche Herzenspein, welche Leere der Seele, welcher Schmerz vereitelter Hoffnungen jenem jungen Geſchöpfe vorbehalten waren, die gleich der Roſe in der Wüſte wuchs und blühte und der vielleicht wie ihrer armen, mit rauher Hand verpflanzten Paſſionsblume das Loos be⸗ ſchieden war, zu welken und zu ſterben! Heinrich's letzte Worte tönten noch in meinem Ohre, als ich ſeine kaum lesbare, krampfhaft hingeworfene Unterſchrift ſah, und das Herz wollte mir brechen, denn ich fühlte,„daß noch nicht alles zwiſchen uns zu Ende war.“
Der folgende Brief, welchen ich las, war von Herrn Lovell. Er ſchrieb:
„Liebe Mary!
Du liebteſt Deinen Bruder immer ſo ſehr, daß ich die Wirkung fürchte, welche meine gegenwärtige Mittheilung auf Dich machen muß. Du wirſt nicht weniger erſtaunt ſeyn, als ich. Daß Heinrich uns Urſache zu Unzufrieden⸗ heit und Aerger geben würde, konnte nichts Unerwartetes ſeyn; daß er aber bei ſeinem Verſtande, deſſen Schärfe nie in Abrede geſtellt werden konnte, ſo leichtſinnig und toll handeln würde, dazu waren wir nicht vorbereitet. Sein Gefühl für Anſtand und Schicklichkeit hätte ihn al⸗ lein ſchon von einer unwürdigen Mißheirath zurück⸗ halten ſollen. Doch es iſt beſſer, daß ich Dir ohne Umſchweife die Thatſache berichte, deren Möglichkeit Dir gewiß nie in den Sinn gekommen iſt. Dein Bruder hat ſich, ohne zuvor weder mir, noch ſonſt ir⸗ gend Jemanden etwas davon zu ſagen, vergangenen Donnerſtag in der Bromley⸗Kirche mit der Enkelin der Frau trauen laſſen, die Deine Amme und ſpäter auch die ſeinige war. Er iſt ſehr leidend und unglücklich, und ſucht ſeine Handlungsweiſe weder zu beſchönigen, noch zu entſchuldigen; er wiederholt bloß, daß er überzeugt gewe⸗ ſen ſey, ich würde nie meine Einwilligung zu ſeiner Hei⸗


